Entwicklung des Christentums

In der ersten Phase war das Christentum noch ein ausschließlich jüdischer Kult; die Jünger wandten sich ursprünglich an ihre jüdischen Glaubensgenossen. Die Christen bemühten sich Kontakte außerhalb Judäas zu knüpfen; dieser Prozess begann mit Paulus, der christliche Gemeinden in der hellenistischen Welt gründete. Auf dem Apostelkonzil (49 n. Chr.) überzeugte er die übrigen Apostel davon, daß es nicht erforderlich sei, jüdische Traditionen und Gesetze zu erfüllen, um Christ zu sein. So wurde nach und nach aus der einstigen "jüdischen Sekte" eine Weltreligion. Seine missionarischen Reisen nach Anatolien, Griechenland und schließlich auch Rom waren ein entscheidender Punkt in der Geschichte des Christentums. Paulus' Botschaft fand empfängliche Zuhörer: Überall sehnten sich die Menschen nach einem Erlöser, doch nur wenige wollten die rituellen Pflichten des Judaismus (vor allem die Beschneidung) auf sich nehmen. Christen mußten keine jüdischen Gesetze befolgen. Anfangs wurden die Christen also als jüdische Sekte betrachtet. Das Judentum wurde - wie viele andere Religionen auch - im Römischen Reich zunächst grundsätzlich toleriert, und so blieben auch die Christen vorerst unbehelligt. Misstrauen kam erst auf, als Christen sich weigerten dem Kaiser Opfer darzubringen, was nach röm. Auffassung Verrat war, denn der Kaiser repräsentierte den Staat. Das Mißtrauen wurde dadurch, daß Christen ihre Gottesdienste nicht in der Öffentlichkeit, sondern zurückgezogen in Privathäusern abhielten noch verstärkt. Aus den Worten der christlichen Abendmahlszeremonie schlossen viele Römer fälschlicherweise Christen würden Menschenfleisch essen und Menschenblut trinken. Viele Unglücke wurden als Strafe der Götter für diese fremdartigen Praktiken gesehen. "Kein Regen wegen der Christen" wurde ein römisches Sprichwort. Es gab Christen im gesamten römischen Reich, doch sie bildeten nur eine Minderheit, was sie zu einem geeigneten Ziel für Verfolgungen machte.

Wirkung des christlichen Glaubens

Vier Elemente machten das Christentum besonders attraktiv für die Menschen:

  • Die Christen hatten nur einen einzigen Gott
  • Christus hatte wirklich gelebt, das Christentum basierte auf einer historischen Grundlage
  • Das Christentum stand Männern und Frauen, allen Gesellschaftsschichten und Völkern offen
  • Der christliche Glaube sprach den Menschen mit alle seinen Gefühlen an. Die Gefühle, die bisher verschiedene Kulte ritualisiert hatten, Trauer, Leid, Mutterliebe, Hoffnung auf Unsterblichkeit, konnten die Menschen jetzt durch Maria, Jesus und die Auferstehung in einer einzigen Religion erfahren.

Christenverfolgungen

Die erste große Christenverfolgung begann im Jahre 64: Nach dem Brand Roms suchte Kaiser Nero einen Sündenbock um den Volkszorn von sich abzulenken. Hunderte von Christen wurden verhaftet, gefoltert und umgebracht. Sie wurden gekreuzigt, von Stieren zerrissen und als lebende Fackeln in Brand gesteckt. Möglicherweise kamen auch die Apostel Petrus und Paulus bei diesen Ausschreitungen ums Leben. Verfolgungen waren aber nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Kaiser Trajan (98-117) verfügte, daß der Staat von sich aus keine Ermittlungen gegen Christen einleiten sollte und daß selbst anonymen Anzeigen nicht nachgegangen werden sollte. Er wollte die neue Religion nicht noch stärken, indem er ihr Helden verschaffte. Die letzte und zugleich größte Christenverfolgung begann im Jahr 303 unter Kaiser Diokletian. Wieder wurde von den Christen gefordert, den traditionellen römischen Staatsgöttern zu opfern. Wer sich weigerte, dem drohten Folter, Verhaftung und Tod. Tausende Christen starben.

Christianisierung - Bekehrung Kaiser Konstantins

Als im Jahre 305 Diokletian abdankte, wurde Constantius Kaiser des Westreiches. Er starb aber bereits ein Jahr später in Britannien, als er dort einen Aufstand niederschlug. Soldaten erhoben Konstantin zum neuen Augustus (Soldatenkaiser), in Italien wurde er aber nicht anerkannt. Jahrelange Kämpfe waren die Folge. Kolossalstatue des Kaisers KonstantinAm 27. Oktober 312 stand Konstantin mit seinem Heer wenige Kilometer vor Rom, um Maxentius, seinen größten Rivalen, endgültig zu besiegen. Konstantin hatte die schlechtere Ausgangsposition: Seine Soldaten waren ermüdet und geschwächt vom langen Marsch, außerdem war der Gegner in der Überzahl. Um das, was dann geschah, ranken sich verschiedene Legenden. So heißt es, Konstantin sah ein großes, strahlendes Kreuz mit der Aufschrift: "In hoc signo vinces". Andere Überlieferungen berichten, er hätte einen Traum gehabt, in dem er Christus und die griechischen Buchstaben Chi und Rho sah, mit denen das griechische Wort Christos beginnt. Auf jeden Fall ließ er auf einem Feldzeichen und den Schilden seiner Soldaten das Christusmonogramm anbringen. Seinen Sieg, in der folgenden Auseinandersetzung, der ihn zum unangefochtenen Herrscher über das Westreich machte, schrieb er dem Christusmonogramm zu, dem "rettenden Zeichen". Konstantin brachte nämlich seinem Gegenspieler Maxentius an der Milvischen Brücke in der Nähe von Rom die entscheidende Niederlage bei. Der Senat empfing den Sieger als Retter des römischen Volkes. Konstantin, der bislang den heidnischen Sonnengott verehrt hatte, sah jetzt in der christlichen Gottheit die siegbringende und beendete die Christenverfolgung. Zusammen mit Licinius, seinem Mitregenten, erließ er 313 das Edikt von Mailand, das den Christen im Römischen Reich die freie Religionsausübung gestattete und die alte römische Staatsreligion abschaffte. Das Christentum wurde der römischen Religion gleichgestellt und eingezogener Besitz den Christen zurückerstattet. Das Christentum entwickelte sich jetzt zu einer Massenreligion. Münzportrait des Kaisers KonstantinAus politischen und religiösen Motiven bemühte sich Konstantin um die kirchliche Einheit. 325 berief er das erste ökumenische Konzil nach Nizäa ein, dessen Ausgang er wesentlich mitbestimmte. Konstantin verlegte den Schwerpunkt seiner Herrschaft nach Osten und ließ von 326 bis 330 die alte griechische Stadt Byzanz unter dem Namen Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Reiches ausbauen, im bewußten Gegensatz zum heidnischen Rom. Außerdem errichtete er Kirchen im Heiligen Land, wo seine Mutter (auch eine Christin) der Legende nach das Kreuz Christi gefunden haben soll. Kurz vor seinem Tod am 22. Mai 337 empfing Konstantin die Taufe. 380 wurde der christliche Glaube unter Kaiser Theodosius zur offiziellen Staatsreligion. Die heidnischen Kulte wurden bereits durch das Edikt von Kaiser Constantius II im Jahr 354 verboten.

Christliche lateinische Literatur

Rom und die christliche lateinische Literatur Der berühmte Christenbrief des Plinius und das Reskript des Kaisers Traian (X,96 und 97) zeigen deutlich das Spannungsverhältnis zwischen dem römischen Staat und dem Christentum. Allerdings kann die Erarbeitung dieser beiden Briefe nur einen Ausschnitt aus dieser Problematik zu einem bestimmten Zeitpunkt deutlich machen. Um eine etwas bessere Übersicht in diesem Konflikt zu gewinnen und ebenso einen gewissen Einblick in die geistige Auseinandersetzung zwischen Heidentum und Christentum zu erreichen, sind Textproben, sind "exempla" notwendig, die bis in die Zeit der ausgehenden Antike reichen, auch wenn dies nur durch wenige Beispiele erfolgen kann:

64 n.Chr Tacitus Christenverfolgung Nero
ca.112 Plinius Verfahren gegen Christen Traian
180 Acta Scilitanorum "Protokoll" eines Prozesses gegen Christen Commodus
ca. 197 Tertullian Verteidigung der Christen Septimius Severus / Caracalla
2. Jhdt. Minucius Felix Octavius (Dialog)  
313 Laktanz Mailänder Edikt Konstantin / Licinius
354 Edikt des Constantius II. Verbot der heidnischen Kulte Constantius II.
383 Symmachus/Ambrosius Streit um den Altar der Victoria Valentinian II./ Gratian/Theodosius
413 - 426 Augustinus De civitate Dei Honorius/Stilicho

Rom ist an sich gegenüber den Anhängern fremder Religionen und Glaubensvorstellungen sehr tolerant, solange und soweit diese den Verpflichtungen gegenüber dem Staat und dem Kaiser nachkommen und ihre Staats- und kaisertreue Gesinnung auch durch die üblichen Riten (Opfer, Gebet) zumindest formal bezeugen. Doch gerade der geforderte Loyalitätsakt führt unvermeidlich zu den Konflikten zwischen den Vertretern des römischen Staates und den Bekennern des Christentums. Zu Beginn gibt es Desinteresse und Unverständnis gegenüber den Glaubenslehren und Riten der Christen. Das wird bei Tacitus (Tac.Ann.XV,44) ebenso erkennbar wie bei Plinius (Plin.X,96). Deutlich werden bei Tacitus zwei Motive für die Verfolgung der Christen: sie werden als "Sündenböcke" für eine, eingetretene Katastrophe verfolgt, und sie werden verfolgt, weil sie sich aus der Sicht des Staates außerhalb der Gemeinschaft stellen. Für Tacitus freilich ist die Schilderung der Christenverfolgung] nur ein Kapitel unter anderen, in denen er die Gewaltherrschaft des Nero darstellt. Bei Plinius wird dann klar erkennbar, worin sich vor allem das Spannungsverhältnis des Staates zu den Christen; zuspitzt: es geht um den Beweis der Loyalität gegenüber Kaiser und Staat durch das Opfer vor der Statue des Kaisers. Die Behörden fordern es als selbstverständlichen Beweis dieser Loyalität, die Christen verweigern es aus Glaubensgründen. Ein kennzeichnendes Beispiel für diesen Konflikt bieten die "Acta Scilitanorum", die in Form eines Gerichtsprotokolls in einfacher Sprache den Prozeß gegen eine Reihe von Christen festhalten. Es wird dabei deutlich, daß es den Behörden bei der Verfolgung von Christen nicht um Glaubensinhalte geht, sondern um den Loyalitätsbeweis gegenüber Kaiser und Staat. Um diese Zeit setzen auch im lateinischen christlichen Schrifttum die geistigen Auseinanderset-zungen mit den Nichtchristen ein. In der Ablehnung der "spectacula" wendet sich Tertullian nicht bloß an die Christen; in seinem "Apologeticum" verteidigt er das Christentum gegen die Anschau-ungen und Angriffe der Heiden und unterzieht die Verfahren gegen Christen einer scharfsinnigen Kritik. Sprache und Stil dieser Schriften zeigen nicht nur die rhetorische Schulung Tertullians und seine blendende Formulierungskunst; sie zeigen auch viele Neubildungen im Wortschatz und sind daher nicht immer leicht zu erarbeiten.

Christentum wird römische Staatsreligion

Die Wende in dem Verhältnis Staat - Christentum setzt nach den schweren Christenverfolgungen unter Diokletian (Beginn 303) und den Machtkämpfen unter seinen Nachfolgern ein. Einer sich schon vorher anbahnenden Entwicklung folgend, unterstützt Konstantin d.Gr. das Christentum, wenn er sich auch erst auf dem Totenbette taufen lässt. Das sogenannte "Mailänder Edikt" aus dem Jahre 313 bringt den Christen zunächst die Gleichberechtigung gegenüber den heidnischen Kulten. Dieses Edikt ist in der umständlichen Diktion der kaiserlichen Kanzlei verfaßt. Es bietet deshalb wie auch durch die vom "klassischen" Latein abweichenden Wortbedeutungen und Konstruktionen sicherlich Verständnis und Übersetzungsschwierigkeiten. Der Schritt von der Gleichberechtigung des Christentums zur Alleinberechtigung braucht nur wenig Zeit: durch das Edikt des Kaisers Konstantins II. im Jahr 354 werden nun die heidnischen Kulte verboten; unter dem Kaiser Theodosius d.Gr. wird das Christentum 380 n.Chr. Staatsreligion. Freilich waren damit die Anhänger der alten Riten und Kulte nicht verschwunden.

Geschichte der Rhetorik

Die Geschichte der Rhetorik beginnt in Griechenland. Im 5. Jh. verknüpften die Sophisten Philosophie und Rhetorik, so sie durch philosophisch-rhetorische Kunstfertigkeit auch die schlechtere Sache zur besseren machen konnten. Der Sophist Gorgias war der erste große Redelehrer. Er betonte die Notwendigkeit, mittels der Rede die Gefühle des Zuhörers anzusprechen, womit jede gewünschte Wirkung zu erzielen sei. Der Philosoph Sokrates (470-399) lehnte die Haltung der Sophisten ab. Er setzte die Wahrheitsfindung vor die Wahrscheinlichkeit und die Überzeugung vor die Überredungskunst der Rhetorik. Sein Schüler Platon, dem wir die Kenntnis der sokratischen Werke verdanken, setzte diesen Weg fort. Aristoteles (384-322), Platons bedeutendster Schüler, nahm beide Richtungen auf und verband sie. Seine 3 Bücher umfassende Rhetorik ist das bedeutendste Lehrbuch der Redekunst. In Rom strömte mit der griechischen Bildung im 2. Jh. v. Chr. auch die griechische Rhetorik ein. Cato, der allem Griechischen gegenüber skeptisch war, hielt viele nach griechischem Vorbild wirkungsvoll stilisierte Reden vor Gericht und im Senat. Seine Sentenzen (ceterum censeo Carthaginem esse delendam oder rem tene, verba sequentur) sind Beispiele des pointierten Stils. Bedeutende Lehrer griechischen Ursprungs sind Poseidonios, Philon von Larisa, Antiochos von Askalon und Apollonios Molon.

Cicero, der von Apollonios Molon unterrichtet wird, verbindet Rhetorik und Philosophie in seinem Ideal des orator sapiens, des philosophisch gebildeten Redners und Staatsmannes. Er erkannte damit klar die zweifache Funktion der Rede: fundierte Information und gezielte Manipulation. Seine wichtigsten Bücher über die Redekunst sind De oratore und Brutus.

Absicht der Rede

Rhetorik (griechisch rhetorike techne: Redekunst oder Redetechnik) im weitesten Sinn sowohl Theorie als auch praktische Technik der geschriebenen und gesprochenen Rede mit dem Ziel, den Rezipienten oder Zuhörer zu überzeugen und im Sinne des Redners zu beeinflussen. Zu diesem Zweck stellt sie ein umfangreiches Regelwerk zur Verfügung, mit dessen Hilfe der Redner sein Ziel erreichen kann. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Fragen, die Schönheit oder Eindringlichkeit des Redestiles betreffen, wie etwa die Stilmittel, die zur Veranschaulichung, Verlebendigung, Verdeutlichung und Ausschmückung der sprachlichen Aussage dienen, sondern auch grundsätzliche Fragen vom Auffinden des Stoffes bis hin zu einem effektiven Vortrag. Bereits in der Antike unterschied man zwischen fünf Phasen der Redevorbereitung.

Redevorbereitung

  • inventio: Stoffsammlung und Finden von Beweisgründen anhand von Suchformeln für die Argumente
  • dispositio: Anordnung und Gliederung des Stoffes nach den Prinzipien der Dialektik
  • elocutio: sprachliche Formulierung und stilistische Gestaltung
  • memoria: Auswendiglernen der Rede
  • pronuntiatio: wirkungsvoller Vortrag

Ebenfalls aus der Antike stammt die Unterscheidung nach Redesituationen. Die klassische Rhetorik unterscheidet 3 Arten der Rede

Redeanlässe

  • die Gerichtsrede (genus iudiciale bzw. dikanikon) zur eigenen Verteidigung und zur Beeinflussung der Richter : entspricht unserem Plädoyer.
  • die politische Rede (genus deliberativum oder symbouleutikon): ein politisches Problem wird nach verschiedenen Richtungen untersucht. Dient auch der Gewinnung von Wählern und zur Beeinflussung der Massen (eig. "Abwägungsrede").
  • Gelegenheits- oder Festrede (genus demonstrativum oder epideiktikon): aus einem festlichen Anlaß wird z. B. eine Dankesrede gehalten (eig. "Hinweisungsrede").

Rhetorische Mittel

Aufgabe des Redners ist es, bestimmte Informationen auszuwählen, zusammenzustellen und in ansprechende Form zu kleiden. Durch die Art der Darstellung sollen die Zuhörer manipuliert werden. Dies gelingt neben dem bewussten Einsatz rhetorischer Stilmittel (Tropen und Figuren) besonders durch:

  • Aufwertung der eigenen Argumentation (günstige Seite hervorheben, möglichen Einwänden begegnen ...)
  • Abwertung der gegnerischen Argumentation (Ungünstiges betonen, Abwertung des Gegners ...)
  • Abschwächung (Verständnis bekunden, Tabuisierung von Problemen, Unabwendbarkeit betonen ...)

Römische Erziehung und Bildung

In der frühkindlichen Erziehung wurde der Mutter, der Amme, überhaupt der gesamten Familie eine große Bedeutung zugeschrieben. Anhand dieser Bezugspersonen lernte das Kind die Sitten, Bräuche und Normen der Gesellschaft, in der es aufwuchs, kennen. Es die ahmte beobachtete Verhaltensweisen nach und gewöhnte sich mit der Zeit an diese. Man kann zwei Stadien erzieherischer Praxis unterscheiden, nämlich die eine, in der der Säugling von der Mutter gestillt wurde und in der ersten Zeit bei ihr aufwuchs und eine zweite, in der das Kind einer griechischen Magd oder einer Sklavin übergeben wurde, die zur Zeit auch Kinder hatte. Dies hatte natürlich den Vorteil, dass das Kind zweisprachig aufwuchs und griechisch später nicht nachlernen musste. Die weitere Erziehung der Kinder hatte ursprünglich der Vater als Familienoberhaupt (Pater familias) kraft seiner väterlichen Vollzugsgewalt (patria potestas) übernommen. Der Vater brachte seinem Sohn allerhand Sportarten bei, wie Reiten und Fechten aber auch Faustkampf und verschiedene Überlebenstechniken. Außerdem erzählte er seinem Kind von den Taten und Sitten seiner Vorfahren.

Charakteristik der römischen Erziehung

Erziehung und Ausbildung dienen nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der Betonung ethischer Werte, die aus der Lektüre der Dichter und Historiker gewonnen werden können. Römer waren sehr an der praktischen Seite des vermittelten Wissens interessiert. Der Rechenunterricht stattete den Händler und Kaufmann, aber auch den Landvermesser mit den für seinen Beruf nötigen Kenntnissen aus. Erziehung nach exempla, nach Vorbildern, die aus der eigenen Familie (mos maiorum), aus der Geschichte oder auch aus der mit sagenhaften Elementen (vgl. Mythologie) durchsetzten Frühgeschichte genommen wurden.

Schulische Erziehung

Zunächst erfolgte Erziehung und Unterricht durch die Eltern selbst. Im Laufe der Zeit unterstützte sie dabei ein paedagogus, ein intelligenter und gebildeter Freigelassener oder Sklave. Die Schulbildung blieb also privaten Initiativen interessierter Eltern überlassen. Staatlich bereitgestellte Schulen - sowohl Gebäude als auch öffentliche Lehrer - waren unbekannt. Eine allgemeine Schulpflicht war ebenfalls unbekannt. Das Vorbild der Eltern und die starke Bindung an den mos maiorum (Vätersitte) bestimmten den jungen Menschen von klein auf.

Staatliche Schulen

Erst in der Kaiserzeit wurden auch öffentliche Schulen eingeführt. Es kam zur Gründung von Ausbildungszentren mit Universitätscharakter. Vespasian richtete in Rom zwei staatlich besoldete Lehrstühle für griechische und römische Rhetorik ein. Besondere Förderung erfuhren die Schuleinrichtungen durch Trajan und Hadrian. Die Kaiser bestellten für diese Schulen staatlich besoldete Lehrer. Bildungsgang

Ludus (Elementarschule)

Der Unterricht im Ludus war für die 7 bis 12jährigen Kinder. Der Lehrer unterwies die Kinder im Lesen, Schreiben und den Grundkenntnissen des Rechnens. Die Schüler benutzten Holztafeln, die mit Wachs bezogen waren, als Schreibunterlage. In diese Wachsschicht wurden mit einem Griffel die Buchstaben eingeritzt. Nach dem Zusammenlegen der Schreibtafeln lagen die Wachsschichten einander zugekehrt. Nun konnte man die Schreibtafeln gegebenenfalls verschnüren. Wenn der Schüler das ganze Alphabet beherrschte, lernte er Silben, Wörter, zusammenhängende Texte und Geschichten, meist mit moralischem Inhalt. Römische Schüler mussten zur Förderung des Gedächtnisses oft Texte auswendig lernen. Mathematik lernte man durch einen Mathelehrer (calculator). Der Unterricht begann meist schon vor Sonnenaufgang und dauerte, unterbrochen durch eine kurze Mittagspause, bis spät in den Nachmittag hinein. Darum hat man dem Kind, wegen der Gefahren der Straße, einen Aufsichts - Sklaven (lat.: paedagogus) für den Schulweg mitgehen lassen. Mit der Elementarschule schloss die Ausbildung der Kinder aus wenig bemittelten Schichten.

Grammaticus (Literaturschule)

Begüterte Familien schickten ihre Söhne nach der Grundschule bis zur Anlegung der Männertoga (toga virilis) - etwa mit 17 Jahren - zu einem Grammatiklehrer. Die Schule des Grammaticus beschäftigte sich mit höherer Lektüre wie Ennius, Terenz, Livius, Cicero, Vergil, Andronicus etc. Mit der Lektüre waren Erklärungen zum Text verbunden, die von der Grammatik bis zum Stil ging. Es wurden aber auch andere Wissensgebiete angestrebt wie Poetik, Literaturgeschichte, Mythologie, Philosophie, Geschicht, Geographie, Physik und Astronomie. In der Regel war die Schulbildung des jungen Römers mit der Eintragung in die Bürgerlisten (mit etwa 17 Jahren) abgeschlossen. Vermögende Familien wandten allerdings beträchtliche Mittel auf, um ihren Söhnen eine Ausbildung an einer Rhetorikschule zu ermöglichen.

Rhetorikschule (Redeschule)

Der Rhetorikunterricht wurde an namhaften Bildungsstätten wie Rom, Athen, Rhodos, Pergamon oder Alexandria vermittelt. Gelehrt wurde von einem Rhetor, dem Lehrer für Beredsamkeit. Schwerpunkt der Ausbildung war Rhetorik und Philosophie. Die Ausbildung in dieser Schule war Voraussetzung für einen Politiker oder Juristen.

Schreibmaterialien

Schreibmaterialien Zunächst verwendeten die Römer für zum Schreiben mit Wachs überzogene, zusammenlegbare Holztäfelchen (tabellae, codicilli). Der Text wurde mit dem spitzen Ende eines Griffels (stilus) in das Wachs eingeritzt und konnte mit dem flachen Ende des Griffels wieder gelöscht werden. Die Täfelchen wurden zusammengeschnürt, die Schnüre konnten auch versiegelt werden. Codicilli blieben für Schüler, aber auch für kürzere Mitteilungen die ganze Antike hindurch in Gebrauch. Für längere briefliche Mitteilungen verwendete man aber bald als Beschreibstoff Papyrus (= charta). Papyrus war aus Ägypten bekannt und wurde einseitig beschrieben. Geschrieben wurde mit einer aus Ruß und einem Bindemittel (Leim, Gummilösung) hergestellten Tinte (Lehnwort aus lat. aqua tincta - gefärbte Flüssigkeit), die vor Gebrauch mit Wasser verdünnt wurde, mitunter auch mit der Flüssigkeit von Tintenfischen. Als Schreibgerät diente ein zugespitztes, an der Spitze gespaltenes Rohr (Binsen, Schilf), der "calamus". Der auf Papyrus geschriebene Brief wurde zusammengerollt, verschnürt, versiegelt und an seiner Außenseite mit dem Namen des Empfängers versehen. Die Briefe wurden durch Briefboten ("tabellarii"), durch vertrauenswürdige Reisende usw. übermittelt. Augustus hatte zwar eine römische Staatspost eingerichtet, die aber nur zur Beförderung amtlicher Schreiben bestimmt war.

Quelle: http://home.eduhi.at/member/jr/christen/christ.htm#entwicklung