| Aufgrund der unspezifischen Leitsymptome Diarrhoe und Bauchschmerzen
werden chronisch entzündliche Darmerkrankungen bekannterweise oft erst mehrere Monate,
nachdem die Beschwerden zum ersten Mal aufgetreten sind, diagnostiziert. Das ist bei
vielen Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa der Fall, aber auch bei Patienten
mit einer vergleichsweise selteneren Collagen Colitis. Für Patienten mit Collagen Colitis
sind schon symptomatische Verläufe über 25 Jahre bis zur Diagnosestellung dokumentiert
worden, berichten Dr. Andreas Tromm aus Bochum und seine Kollegen (Leber Magen Darm 29,
1999, 270). Die
Collagen Colitis, deren charakteristisches Symptom chronische oder intermittierende
wässrige Diarrhoen sind, ist erstmals 1976 beschrieben worden. Wie viele Menschen diese
Darmkrankheit haben, und wie viele Neuerkrankungen es jährlich gibt, dazu existieren
bisher keine sicheren Daten. Nach bisherigen Erfahrungen sind es gehäuft Frauen im
fünften bis sechsten Lebensjahrzehnt, bei denen die Diagnose einer Collagen Colitis
gestellt wird.
Sichere Daten zur Inzidenz fehlen noch
Bis 1997 ist in der
wissenschaftlichen Literatur über etwa 500 Patienten mit Collagen Colitis berichtet
worden. Die Prävalenz der Erkrankung sei vermutlich aber wesentlich größer als aufgrund
dieser Publikationen anzunehmen, da mittlerweile die Daten der meisten Patienten mit
dieser Darmerkrankung längst nicht mehr veröffentlicht würden, merken Tromm und seine
Kollegen an. Das Institut für Pathologie am Klinikum Bayreuth führe ein Register mit
derzeit mehr als 1000 Patienten mit Collagen Colitis. Danach liege der Anteil der
Patienten mit Collagen Colitis unter allen Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen
bei 1,6 Prozent.
Zur Inzidenz der Collagen
Colitis gibt es für die Bundesrepublik keine verlässlichen Daten. Für die Länder
Schweden, Spanien und Frankreich wird sie mit 0,6 bis 2,3 pro 100 000 Personen
angegeben.
Um bei Patienten mit
chronischen oder intermittierenden wässrig breiigen Diarrhoen differentialdiagnostisch zu
klären, ob eine Collagen Colitis vorliegt, ist es notwendig, das gesamte Colon zu
untersuchen und in allen Abschnitten Biopsien zu entnehmen, betonen Tromm und seine
Kollegen. Denn mittlerweile sei bekannt, dass die für die Collagen Colitis typische
histologische Veränderung, nämlich ein verdicktes subepitheliales Collagenband,
häufiger im proximalen Colon zu finden ist als in distalen Abschnitten, und dass der
Befall zudem diskontinuierlich sein kann. Im übrigen sei auch schon über eine mögliche
Beteiligung von Magen und Dünndarm berichtet worden. Der mikroskopische endoskopische
Befund ist bei den meisten Patienten mit Collagen Colitis unauffällig.
Autoimmunprozesse werden als Auslöser
diskutiert
Wie es dazu kommt, dass bei
Collagen Colitis das subepitheliale Collagenband statt drei bis fünf Mikrometer, wie es
normal ist, zehn Mikrometer und mehr dick ist, ist bisher nicht geklärt. Aufgrund neuer
Studienergebnisse wird diskutiert, dass dabei nicht eine vermehrte Collagensynthese,
sondern ein verminderter Collagenabbau bedeutsam ist. Als auslösende Faktoren werden etwa
infektiöse Geschehen oder Autoimmunprozesse in Betracht gezogen. Auch gebe es
Publikationen, nach denen der Gebrauch nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) bei
Patienten mit Collagen Colitis signifikant höher ist als etwa bei Patienten mit
irritablem Darm.
Patienten sollten NSAR möglichst absetzen
Als
therapeutisches Vorgehen bei Collagen Colitis sei daher auch in einem 1995 publizierten
Vorschlag eines Algorithmus zunächst außer der Primärtherapie mit Loperamid der
Beendigung einer NSAR Behandlung der Vorzug gegeben worden.
Für die Pharmakotherapie
bei Collagen Colitis gibt es nach Angaben von Tromm und seinen Kollegen bisher keine auf
Basis kontrollierter Studien gesicherten Empfehlungen. Außer Loperamid, auf das nach
bisherigen Erfahrungen sieben von zehn Patienten mit Collagen Colitis ansprechen, wird zur
symptomatischen Behandlung etwa auch Cholestyramin angewandt. Andere Therapieansätze
seien die Behandlung mit antientzündlichen Substanzen wie systemischen Steroiden,
Salicylaten oder mit Antibiotika sowie Immunsuppressiva. Für systemische Steroide werde
über Ansprechraten von etwa 80 Prozent berichtet, so Tromm und Kollegen.
Studie soll Wirksamkeit von topischem
Budesonid klären
Aufgrund erster positiver
Daten zur Behandlung mit dem topischen Steroid Budesonid ist jetzt in Deutschland und in
der Schweiz eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte
Untersuchung begonnen worden, in der die Wirkung einer solchen oralen Behandlung auf den
Verlauf der Collagen Colitis geprüft wird (Leber Magen Darm 29, 6, 1999, 270). In beide
Therapiearme sollen je 30 Patienten mit histologisch gesicherter Collagen Colitis
aufgenommen werden, die täglich im Mittel mindestens sechs breiig wässrige Stühle
haben. Informationen zur Studie gibt es unter anderem bei Privatdozent Dr. Andreas Tromm
in Bochum (Telefon: 0234 / 302-67 71).

Das endoskopische Bild der
Collagen Colitis ist spärlich. Meist findet man eine normale Schleimhaut oder wie in den
Bildern gezeigt ein dezentes ringförmiges Erythem. Erst die Biopsie ergibt den Befund
eines submukösen Kollagenbandes. Unklare wässrige Diarrhöen sollten Anlass zu tiefen
Colonbiopsien sein. In unserem Krankengut beobachten wir etwa 2-3 Neuerkrankungen pro
Jahr. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt. Zusammenhänge mit der Einnahme von NSAR
werden beschrieben.

Es gibt eine Reihe von
Entzündungen des Colons, die klinisch und histologisch nicht eindeutig einer Entität
zugeordnet werden können. Im linken Bild ist eine solche Colitis im Bereich des Zökums
zu sehen. Das Bild ist geprägt von einer vulnerablen, leicht blutenden Schleimhaut mit
Ödem und Gefäßverlust. Ein Erregernachweis gelingt nicht, obwohl es sich in den meisten
Fällen um eine nichtentdeckte Infektion handeln dürfte. |