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| Erste
Zeichen des Karpaltunnelsyndroms sind Gefühlsstörungen im Nervenversorgungsgebiet von
Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie der benachbarten Hälfte des Ringfingers. Die
Störung umfasst einerseits ein Defizit (Taubheit mit herabgesetztem Feingefühl),
andererseits Reizsymptome mit Ameisenlaufen oder Kribbeln und Schmerzen. Typisch ist das
Auftreten dieser Symptome in der zweiten Nachthälfte, wahrscheinlich bedingt durch eine
leichte Wassereinlagerung, die den Druck auf den Nerv verstärkt. Die Patienten erwachen
häufig wegen dieser Schmerzen und verspüren meistens eine Besserung nach Schütteln der
Hand. Später treten Taubheitsgefühle auch am Tag auf, was wegen der Behinderung bei
Feinarbeiten störend ist. In Handgelenkbeugestellung verstärkt sich das Kribbeln und das
Beklopfen des Nervenverlaufs auf Höhe des Handgelenkbandes führt zu elektrisierenden
Sensationen in den Fingern. Betroffen sind am häufigsten Frauen nach der Menopause, so
dass eine hormonelle Ursache zumindest mitverantwortlich ist. Auch andere Veränderungen
im Hormonhaushalt sind gehäuft mit einem Karpaltunnelsyndrom verbunden, ebenso
rheumatische Erkrankungen. Definitiv bestätigt wird der Druckschaden durch eine Messung
der Nervenleitgeschwindigkeit und durch typische Veränderungen der elektrischen
Aktivität der versorgten Muskulatur. Die Messungen erfolgen am KSW mit dem EMG-ENG-Gerät
der Neurologie. Bei der nichtoperativen Behandlung kann in frühen Stadien eine Nachtlagerungsschiene die Symptome verringern, und Kortison-Spritzen können die entzündliche Reizung um den Nerv mindestens für eine gewisse Zeit reduzieren. In fortgeschritteneren Fällen ist wie bei allen anderen Nerven-Druckschäden die chirurgische Entlastung notwendig, um eine weitere Zunahme des Nervenschadens zu verhindern und den Nervenfasern die Möglichkeit zur Erholung zu geben. Bei rechtzeitiger Operation bilden sich die Symptome praktisch vollständig zurück, die Nervenerholung ist wie bei den Nervenverletzungen bei älteren Patienten schlechter als bei Jungen und geringer, je länger der Druck bestanden hat und je höher der Druck war. Erst vor rund 50 Jahren wurde der Engpass am Handgelenk als Ursache der Funktionsstörung des Medianusnervs erkannt und die chirurgische Durchtrennung des quer liegenden Handgelenkbandes als Standardbehandlung etabliert. Zu Beginn wurde ein langer, über die Handgelenksbeugefalten hinausführender Hautschnitt angelegt, der eine problemlose Darstellung des Nervenverlaufs erlaubt, aber vielfach zu lästigen Beschwerden im Bereich der langen Operationsnarbe führt (Abb. 1).
Im Rahmen der «Schlüsselloch-Chirurgie» kam vor 10 Jahren die vor allem von den Entwicklern der entsprechenden Instrumente geförderte endoskopische Durchtrennung des Bandes auf, wobei in diesem engen Tunnel die Strukturen endoskopisch nicht sicher auseinander gehalten werden. Bald wurden aber teilweise gravierende Komplikationen beschrieben: neben unvollständiger Nervenentlastung auch Durchtrennung des Nervenstammes oder von Fingernerven, von Arterien oder von Beugesehnen. Trotz den heutigen Möglichkeiten der Mikrochirurgie stellt sich die Frage, ob solche Risiken den kurzfristigen Vorteil eines rascheren Kraftgewinns und geringerer Narbenschmerzen wert sind. Halb offene Spaltung: Mini-Schnitt mit Einblick in die wichtigen Strukturen In der Folge wurden spezielle Instrumentarien entwickelt, die eine sichere Darstellung und damit die Schonung von Nerv, Sehnen und Blutgefässen mit einem unproblematischen kurzen Hautschnitt kombinieren (s. Abb. 1). Über einen nur noch knapp 2 cm langen Schnitt in der Hohlhand können diese wichtigen Strukturen dargestellt und kann die Spaltung des Bandes nach Tunnelierung unter der Haut mit entsprechenden Instrumenten und einem Spezialmesser durchgeführt werden (Abb. 2).
Bei unsicheren Verhältnissen kann der Hautschnitt problemlos verlängert und auf ein offenes Verfahren umgestiegen werden, was bei unseren Patienten bisher aber nicht erforderlich war. Eine Ruhigstellung ist nicht erforderlich, und die Patienten sollen von Anfang an ihre Finger bewegen und die Hand bei Alltagsverrichtungen einsetzen. Nach einigen Tagen genügt ein kleines Wundpflaster, nach 10 14 Tagen können die Hautfäden entfernt und kann die Belastung im Rahmen der Schmerzgrenze gesteigert werden. Unsere bisherigen Erfahrungen bestätigen die praktisch sofortige Befreiung von den Nachtschmerzen und eine gute Gebrauchsfähigkeit der Hand innert weniger Tage (Abb. 3).
Bis die volle Kraft beim Faust-Ballen erreicht ist, dauert es auch bei diesem Mini-Zugang etwas länger, aber die Kraftzunahme erfolgt rascher und problemloser als bei der früheren langen Schnittführung. Nicht unerwähnt bleiben soll der gegenüber jenem bei endoskopischen Techniken geringe apparative und personelle (und damit finanzielle) Aufwand. Die Operation kann sehr gut ambulant und unter Lokalbetäubung des Handgelenks erfolgen, so dass die Patienten ihre Hand schon am Operationstag wieder gebrauchen können. Andere chronische Nerven-Druckschäden Der zweithäufigste chronische Nerven-Druckschaden betrifft den für das Fingerspitzengefühl von Ring- und Kleinfinger verantwortlichen Nerv (Ulnarisnerv) am Ellbogen, der hier in einer Knochenrinne verläuft und bei der Ellbogenbeugung gequetscht wird. Die Behandlung besteht in der Entlastung und der sorgfältigen Verlagerung des Nervs vor die Beugeachse des Gelenkes. An den meisten anderen Engpass-Stellen eines Nervs genügt eine einfache Entlastungsoperation, d.h. eine Durchtrennung der bindegewebigen Bänder über dem Nerv, beispielsweise an Ober- und Unterarm, am Knöchel oder in der Leiste. Alle diese Eingriffe werden zur Schonung der empfindlichen Nerven unter Vergrösserung mit der Lupenbrille oder bei Notwendigkeit einer weiteren Entlastung der Nervenhüllen mit dem Operationsmikroskop durchgeführt. Die Eingriffe zur Entlastung von Arm- oder Beinnerven gehören zu den dankbaren handchirurgischen Operationen, da sie die Patienten (bei korrekter Diagnose) rasch von lästigen Schmerzen befreien. Die rechtzeitige chirurgische Entlastung verhindert eine Zunahme der Gefühlsstörungen und Muskellähmungen und stellt die entscheidende Voraussetzung zur Erholung vorhandener Ausfälle dar. |
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