Tuberkulose,
abgekürzt Tbc, ist eine chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die durch
Tröpfcheninfektion übertragen wird. Die Krankheitserreger sind Bakterien: das
Mykobakterium tuberculosis oder in seltenen Fällen auch das Mykobakterium bovis (z.B. in
Rohmilch). Die Tuberkulose betrifft in erster Linie die Lunge (85 Prozent), über die
Blutbahn streuend kann sie aber auch alle anderen Organe im Körper befallen: z.B.
Lungenfell, Hirnhäute, Knochen, Harnwege, Verdauungstrakt, Haut.Besonders für Immungeschwächte bedeutet
die Tuberkulose eine mitunter tödliche Krankheit, die jedoch auf eine Reihe von
Medikamenten anspricht und dann folgenlos ausheilt. Neuerdings schwächen
Resistenzentwicklungen die Wirksamkeit der Medikamente und machen eine lange und
konsequente Therapie notwendig.
Die
Tuberkulose ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten, die weltweit jährlich drei
Millionen Menschenleben fordert. Die meisten Krankheitsfälle treten in Afrika, in
Südostasien, sowie in Krisengebieten auf. In Westeuropa ging die Tuberkulose durch
verbesserte Lebensbedingungen und wirksame medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten in den
letzten hundert Jahren stark zurück, ist aber gegenwärtig wieder im Ansteigen begriffen.
In Osteuropa ist die Krankheit im Vergleich zu Westeuropa sehr viel häufiger.
Die
Tuberkulose gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Erkrankungen, das heißt,
Erkrankung oder Tod durch Tuberkulose muss vom behandelnden Arzt an das zuständige
Gesundheitsamt gemeldet werden.

die gesunde Lunge kann ein großes Volumen aufnehmen |

die von Tuberkulose befallene Lunge hat ein geringeres Lungenvolumen |
Wie kommt es zu einer Tuberkulose?
Die
Ansteckung erfolgt in der Regel durch die Einatmung infizierter Speicheltröpfchen
(Tröpfcheninfektion); in seltenen Fällen durch Hautkontakt oder Aufnahme mit der Nahrung
(Rohmilch). Danach entsteht in der Lunge (entsprechend an der Haut oder im Darm) im Laufe
von etwa sechs Wochen eine kleine knötchenförmige Entzündung, der so genannte
Primärkomplex, der meistens keine Beschwerden verursacht. Er bleibt in fast 90 Prozent
der Krankheitsfälle das einzige Zeichen der Tuberkulose.
Ist
ein Körper in seiner Abwehr geschwächt, verteilen sich die Bakterien möglicherweise
gleich über die Blutbahn in den Körper. Folge ist ein Anschwellen der Lymphknoten der
Lunge oder Entzündungen des Rippenfells, des Herzbeutels, der Hirnhäute (oft tödliche
Meningitis) oder der Lunge (schlimmste Sonderform der tuberkulösen Lungenentzündung: die
"galoppierende Schwindsucht"). Bilden sich zu Beginn der Krankheit gleichzeitig
unzählige kleine Krankheitsherde in vielen Organen, nennt man diesen gefährlichen
Zustand Miliartuberkulose.
Tuberkulose-Erreger
Im Primärkomplex und
anderen abgekapselten Herden können die Bakterien lange im Körper überleben, werden
jedoch von Blutabwehrzellen ringartig eingeschlossen. Ob sich die Krankheit später weiter
ausbreitet, hängt erneut von der Abwehrlage des Körpers ab. Sind die körpereigenen
Abwehrkräfte intakt, bricht die Krankheit nicht aus. Sie kann jedoch Jahre später aktiv
werden, wenn das Immunsystem geschwächt ist, sich die Tuberkuloseherde öffnen und
Verbindung zum übrigen Körper bekommen. Dies passiert etwa bei Mangelernährung, Alter,
Stress, Alkoholismus, Drogeneinnahme, Krankheiten (vor allem HIV-Infektion, Diabetes
mellitus, Tumorerkrankungen) oder bei bestimmten Medikamenten, welche die körpereigene
Abwehr herabsetzen.
Dann
kann es zur Organtuberkulose kommen, deren häufigste Form eine Lungentuberkulose ist.
Jedoch erkranken auch andere Organe neben der Lunge, vor allem Knochen, Gelenke und
Nieren, aber ebenso fast alle anderen Körperteile.
Wie hoch ist die
Ansteckungsgefahr bei Tuberkulose?
Infizierte
Menschen geben die Bakterien nur dann an andere Menschen weiter, wenn die Tuberkuloseherde
eine Verbindung nach außen haben: in der Lunge durch Aufbrechen eines oder mehrerer
Tuberkulose-Höhlen in einen Atemweg (oder bei der selteneren Nierentuberkulose durch das
Ausscheiden der Erreger über den Urin). Diesen ansteckenden Zustand der Tuberkulose nennt
man "offene Tbc". Das heißt: Nicht jeder, der sich selbst infiziert hat, ist
auch Überträger der Krankheit.
Hustet
jedoch ein Patient mit offener Tbc in einem Raum, so halten sich die Tuberkulosebakterien
dort einige Stunden. Aufgrund der ernsten Komplikationen durch die Tuberkulose gibt es in
Deutschland strenge Vorschriften über die geschlossene Unterbringung von Patienten mit
offener Tbc. Wer trotzdem Tuberkelbakterien in großer Zahl einatmet, infiziert sich
möglicherweise, wobei die Ansteckungsgefahr im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten
gering ist. Zudem wehrt der Körper die Infektion mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit
erfolgreich ab.
Das
Erkrankungsrisiko für den Einzelnen ist also besonders bei solchen Menschen hoch, deren
Infektabwehr geschwächt ist und bei solchen, die häufigen Kontakt zu nicht behandelten
Tuberkulose-Kranken mit "offener Tbc" hatten.
Das
Erkrankungsrisiko im Allgemeinen steigt jedoch, je schlechter die Ernährung und die
hygienischen Verhältnisse sind und je mehr Menschen auf engem Raum leben.
Die
Tuberkulose gefährdet besonders Säuglinge und Kinder unter vier Jahren, deren
Immunsystem noch keine Antwort auf den Erreger finden kann. Drei bis sechs Monate nach der
Ansteckung reagieren die Kleinen mit einer Erkrankung eines oder mehrerer Organe -
besonders gefürchtet ist auch hier die tuberkulöse Hirnhautentzündung (Meningitis - http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/meningitis.htm
).
| Region |
Erkrankungen |
Tote |
| Südostasien |
2400 |
840 |
| Afrika |
2140 |
850 |
| Osteuropa |
470 |
70 |
| Industrienationen |
220 |
20 |
| Gesamt |
1460 |
490 |
Welche Symptome treten auf?
Im
Frühstadium kann eine Tuberkulose entweder völlig unauffällig und ohne
Krankheitszeichen verlaufen oder grippale Beschwerden wie Müdigkeit, Schwäche,
Appetitlosigkeit, leichtes Fieber und Gewichtsabnahme verursachen. Häufig klagen die
Patienten in diesem Stadium über Nachtschweiß. Nur etwa 50 Prozent der Infizierten
entwickeln Symptome an der Lunge. Des weiteren gehört zu den typischen Beschwerden einer
Lungentuberkulose Husten und "Hüsteln", ohne dass viel Auswurf produziert wird.
Auch atemabhängige Schmerzen können bei Mitbeteiligung des Rippenfells auftreten. Bei
fortgeschrittener Erkrankung hustet der Kranke Blut ab, im Extremfall kommt es gar zu
einem Blutsturz, einer arteriellen Lungenblutung.
Ein
Arztbesuch ist dringend erforderlich bei folgenden Zeichen:
· Husten mit
gelblich-grünem Schleim, der bereits länger als drei Wochen andauert
· Unspezifische
Symptomen wie leichtes Fieber, Müdigkeit, unklare Gewichtsabnahme und Nachtschweiß, wenn
diese über einen längeren Zeitraum bestehen
· Wenn Sie den
Verdacht haben, dass Sie mit unbehandelten Tuberkulose-Kranken Kontakt gehabt haben oder
Kontakt haben werden
Wie stellt
der Arzt die Diagnose?
Nachdem
die Tuberkulose besonders bei Krankheitsbeginn oft keine oder nur geringe und nicht
typische Beschwerden verursacht, ist es für den Arzt nicht einfach, sie zu entdecken.
Findet er jedoch in der Krankengeschichte Hinweise auf eine mögliche Ansteckung (siehe
Beschwerdekatalog), wird er nach der körperlichen Untersuchung (vor allem Abhören und
Abklopfen der Lunge) den Verdacht auf Tuberkulose ausschließen wollen.
Den
Kontakt mit Tuberkelbakterien weist ein einfacher Hauttest nach. Ein Stempel bringt
Tuberkulin (Stoffwechselprodukte der Erreger) unter die Haut. Wenn der Körper bereits
Bekanntschaft mit dem Bakterium gemacht hat, so besitzt er Abwehrzellen gegen
Tuberkulosebakterien und ihr Tuberkulin. Diese aktiviert er innerhalb von ein bis drei
Tagen - sichtbar an einer Rötung und kleinen Schwellung. Der Arzt beurteilt den Test
jetzt als "positiv". Leider ist der Test nicht nur bei einer gerade aktuellen
Erkrankung positiv, sondern auch wenn früher eine Infektion erfolgreich abgewehrt wurde
oder wenn der Betreffende geimpft wurde. Auch braucht der Körper einen Monat, um diese
speziellen Abwehrzellen zu schaffen, in dieser Zeit reagiert die Stempelstelle nicht
positiv.
Weiter
wird Ihr Arzt eine Röntgenaufnahme veranlassen, vor allem wenn Ihr Tuberkulin-Test
positiv ist. Hierauf sucht er nach Tuberkuloseherden. Bei Verdacht auf eine frische
Infektion muss diese Untersuchung unter Umständen nach einem bis drei Monaten wiederholt
werden. Ist das Röntgenbild nicht eindeutig, wird nicht selten zusätzlich noch eine
Computer-Tomographie der Lunge gemacht.
Um die
Diagnose abzusichern, müssen die Bakterien direkt nachgewiesen werden. Dies geschieht
durch eine mikrobiologische Untersuchung von Auswurf, Magensaft und Urin. Selten ist es
notwendig, Gewebe aus verdächtigen Knötchen oder aus einer Bronchoskopie
(Lungenspiegelung) zu untersuchen. Das Labor sucht dann in diesen Materialien mit
unterschiedlichen Methoden direkt nach den Tuberkulose-Bakterien. Die Ergebnisse, und
damit die sichere Diagnose erhalten Ihr Arzt und Sie nach drei bis vier Wochen, in
Ausnahmefällen bereits nach zwei bis drei Tagen.
Wie behandelt man die
Tuberkulose?
Ziel
der Behandlung ist es, die Tuberkulosebakterien mit Antibiotika, genauer: speziellen
Antituberkulotika, abzutöten. Als Standardtherapie gilt eine Kombination von anfangs vier
Medikamenten, nach zwei Monaten von zwei Medikamenten. Insgesamt dauert die Behandlung
mindestens sechs Monate, in besonderen Fällen sogar bis zu zwei Jahren. In der Regel sind
die einzelnen Medikamente gut verträglich. Da es aber in Einzelfällen zu schweren
Nebenwirkungen kommen kann, wird Ihr Arzt Sie zu regelmäßigen Kontrollen einbestellen.
Die
Behandlung einer offenen Tuberkulose (solange also krankheitserregende Bakterien
ausgeschieden werden) muss stationär durchgeführt werden, wobei der Betroffene im
Krankenhaus isoliert wird. Zwei bis drei Wochen nach Beginn der Behandlung ist eine
Lungentuberkulose nicht mehr ansteckend, die Isolation wird aufgehoben. Ist die weitere
regelmäßige Einnahme der Medikamente sicher, läuft die Behandlung zu Hause weiter.
Medikamente
zur Tuberkulosebehandlung werden immer miteinander kombiniert und über einen so langen
Zeitraum gegeben, um zu verhindern, dass die Bakterien auf einen einzelnen Wirkstoff nicht
mehr ansprechen. Durch unzuverlässige oder zu kurze Einnahme der Medikamente haben sich
weltweit Bakterienstämme entwickelt, die sich gegen mehrere Mittel resistent zeigen.
Speziell für Menschen in Entwicklungsländern, aber auch für Patienten in den USA und
Osteuropa (15 Prozent der gefundenen Bakterien sprechen hier auf verschiedene
Antituberkulotika nicht mehr an) bedeutet dies eine tödliche Gefahr.
Falls
die Medikamente nicht wie vorgeschrieben jeden Tag eingenommen werden, können die
Bakterien gegen einzelne Wirkstoffe resistent werden. Bereits jetzt stellen Resistenzen
gegen verschiedene Antibiotika ein weltweit verbreitetes Problem dar.
Kontrolle der Therapie
Anfänglich
erfolgt die Behandlung in lungenfachärztlichen Abteilungen oder Ambulanzen von
Krankenhäusern. Dort wird die korrekte Durchführung der Therapie, vor allem die
vorschriftsmäßige Einnahme der Medikamente, genauestens überwacht. Später übernimmt
der Hausarzt die Kontrolle der Therapie durch regelmäßige Untersuchungen.
Ein
negatives Ergebnis der mikroskopischen Untersuchung und unauffälliges Röntgenbild sechs
bis zwölf Monate nach Behandlungsbeginn stellen die Erfolgskontrolle der Therapie dar.
Trotzdem werden gesundete Tuberkulosepatienten noch zwei Jahre lang, bei kompliziertem
Krankheitsverlauf noch länger auf Rückfälle hin untersucht.
Wie kann man der Tuberkulose
vorbeugen?
Die
beste Vorbeugung ist, infizierte Menschen frühzeitig zu diagnostizieren, falls nötig zu
isolieren und richtig zu behandeln. Der größte Schutz besteht in ausreichender
Ernährung, gutem Gesundheitszustand, nicht beengten Wohnverhältnissen und strengen
gesetzlichen Hygienebestimmungen und Vorschriften zur Vorbeugung.
Wenn
in der Umgebung ein Tuberkulose-Fall auftritt, kann eine vorbeugende Behandlung mit dem
Tuberkulose-Medikament Isoniazid über sechs bis zwölf Monate bei Menschen sinnvoll sein,
die folgende Voraussetzungen erfüllen:
· Keine ausreichenden
Abwehrkräfte oder Erfordernis schwerer Operationen oder Behandlung mit Medikamenten,
welche die körpereigene Abwehr beeinträchtigen und gleichzeitig Vorliegen alter
tuberkulöser Herde.
· Ein voraussichtlich
bevorstehender Kontakt mit Tuberkelbakterien, zum Beispiel während einer Reise in
Endemiegebiete oder Umgang mit Hochrisikopersonen (Tuberkulose-Patienten, AIDS-Kranke oder
frisch eingereiste Personen, in deren Heimatland die Tuberkulose noch häufig vorkommt).
Die Tuberkulose-Impfung wird
in Deutschland von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht mehr empfohlen; auch die
Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die Impfung aufgrund der relativ häufigen
Impfkomplikationen nicht mehr.
Wie ist die Prognose, und
welche Komplikationen können auftreten?
Die Prognose der Tuberkulose
ist bei frühzeitiger Diagnosestellung und regelmäßiger und ausreichend langer Einnahme
der Medikamente gut. Die Erkrankung heilt dann in den allermeisten Fällen ohne
Folgeschäden aus.
Bei einer Schwäche der
Immunabwehr oder bei später Diagnosestellung können aber schwere Schäden der Lunge und
anderer Organe die Folge sein; die Tuberkulose kann dann auch tödlich verlaufen. |